Reitgerte 2026: Welche Gerte passt zu dir? Ratgeber + Empfehlungen 🐮

Julia HartmannJulia Hartmann · 06.03.2026 · ca. 10 Min. Lesezeit · aktualisiert MÀrz 2026
Reitgerte – Kollektion verschiedener Gerten und Peitschen
💡 Das Wichtigste vorab: Eine Reitgerte ist ein Kommunikationsmittel, kein Strafwerkzeug. Richtig eingesetzt ist sie die natĂŒrliche VerlĂ€ngerung des Schenkels und ein prĂ€zises Hilfsmittel in der Ausbildung. Die LĂ€nge entscheidet ĂŒber den Einsatzbereich – fĂŒr Springen, Dressur und Bodenarbeit brauchst du unterschiedliche Modelle.

Reitgerte – kaum ein AusrĂŒstungsgegenstand ist so missverstanden. Manche sehen sie als Zeichen von Strenge, andere als selbstverstĂ€ndliches Werkzeug jeder Reiterin. Die Wahrheit liegt in der Nutzung: Eine Reitgerte ist in der Hand einer versierten Reiterin ein prĂ€zises Kommunikationsmittel. In der falschen Hand kann sie Schaden anrichten.

In diesem Ratgeber erklĂ€re ich dir die verschiedenen Gertentypen, wie du die richtige LĂ€nge wĂ€hlst, was auf Turnieren erlaubt ist – und welche Modelle 2026 die besten sind.

🐮 Reitgerte: Was ist das eigentlich?

Eine Reitgerte ist eine biegsame Stab-Gerte, die als VerlĂ€ngerung des Schenkels und Hilfsmittel in der Ausbildung eingesetzt wird. Sie kommuniziert Signale an das Pferd – als treibende Hilfe wenn der Schenkel allein nicht ausreicht. Sie ist kein Strafwerkzeug.

Der korrekte Einsatz einer Reitgerte unterscheidet erfahrene von unerfahrenen Reiterinnen. Wer eine Gerte als Strafe einsetzt, hat die Grundlage der Pferdeausbildung nicht verstanden. Wer sie als prÀzises Signal nutzt, kommuniziert klar und fair mit seinem Pferd.

Wann setzt man eine Reitgerte ein?

  • Als VerstĂ€rkung des Schenkels: Wenn das Pferd auf den Schenkel nicht reagiert
  • Als Aufmerksamkeitssignal: Ein leichtes Tippen am Schulter oder Hinterbein
  • In der Ausbildung junger Pferde: Um neue Lektionen zu erklĂ€ren
  • Als treibende Hilfe: VorwĂ€rts-Antrieb beim scheuen oder trĂ€gen Pferd

Was die Gerte NICHT sein darf:

  • Strafe fĂŒr Ungehorsam
  • Mittel fĂŒr emotionale Frustration
  • Ersatz fĂŒr einen guten Sitz oder klare Schenkelarbeit

📏 Gerten-Typen: Springgerte, Dressurgerte, Longe

Es gibt drei Haupttypen von Reitgerten – jeder fĂŒr seinen Einsatzzweck optimiert. Eine Springgerte ist kurz und griffig fĂŒr den Parcours. Eine Dressurgerte ist lang fĂŒr Arbeit am Hinterbein. Die Longierpeitsche ist das Bodarbeits-Werkzeug mit mehreren Metern LĂ€nge.

1. Springgerte (Reitgerte, Kurzgerte):

LĂ€nge: 55–75 cm. Der Klassiker fĂŒr alle, die im Sattel reiten und eine kompakte Gerte brauchen. Die kurze LĂ€nge ermöglicht schnelle, prĂ€zise Signale. Besonders wichtig fĂŒr Springreiterinnen im Parcours, aber auch fĂŒr Dressur und Freizeitreiten geeignet. Meist mit Schlagknopf aus Leder oder Synthetik am Ende.

2. Dressurgerte (Peitsche):

LĂ€nge: 85–120 cm. Die lĂ€ngere Version ermöglicht BerĂŒhrungen am Hinterbein ohne den Arm zu bewegen. Ideal fĂŒr Dressurlektionen die das Hinterbein aktivieren sollen (Schulterherein, Travers, Piaffe-Ausbildung). Auf Turnieren mit LĂ€ngenbeschrĂ€nkungen beachten (max. 120 cm inkl. Peitschenschnur).

3. Longierpeitsche (Bodenarbeitspeitsche):

GesamtlĂ€nge 4–7 m (Stiel plus Schnur plus Schlage). Ausschließlich fĂŒr die Bodenarbeit – beim Longieren, Freiarbeit und Horsemanship. Im Sattel ungeeignet. Ermöglicht Kommunikation aus großem Abstand.

4. Touchstick / Zauberstab:

Kurzer, oft gelenkiger Stab fĂŒr Bodenarbeit und Freiarbeit. Besonders in der Naturellen Horsemanship (Parelli, etc.) verbreitet. Kein klassisches Reit-Werkzeug.

Reiterin mit Dressurgerte beim Training
Die Dressurgerte als VerlĂ€ngerung des Schenkels – prĂ€zise eingesetzt, fair und effektiv

✅ Reitgerte korrekt einsetzen

Die goldene Regel beim Gertengebrauch: Erst die natĂŒrliche Hilfe (Schenkel, Gewicht, ZĂŒgel) – dann, wenn nötig, die Gerte als VerstĂ€rkung. Nie die Gerte als Erstimpuls. Die Gerte soll eine klare, kurze Aussage machen – kein Dauerprasseln.

Haltung der Gerte:

  • In der inneren Hand, waagerecht ĂŒber den Schenkel gelegt
  • Alternativ in der Ă€ußeren Hand, Spitze zeigt nach hinten
  • Nie quer halten – gefĂ€hrlich fĂŒr das Pferd
  • Handgelenk locker, Gerte ist Teil der Hand

Einsatz-Hierarchie:

  1. NatĂŒrlicher Schenkel (Bein drĂŒckt ans Pferd)
  2. VerstÀrkter Schenkel (Bein treibt energisch)
  3. Gerte hinter dem Schenkel (tippen am Hinterbein)
  4. Gerte am Schulterbereich (Aufmerksamkeit lenken)

Das Pferd soll immer zuerst auf die feinste Hilfe reagieren. Wenn es das nicht tut, steigert man die Hilfe – einmal klar, dann wieder fein. Nicht dauerhaft mit Gerte treiben. Das stumpft das Pferd ab.

🏆 Die besten Reitgerten 2026 im Vergleich

Diese Modelle haben wir bewertet. Von der gĂŒnstigen Einsteiger-Gerte bis zur professionellen Turniergerte – fĂŒr jede Reiterin das passende Modell und den passenden Preis.

ModellTypLĂ€ngePreis (ca.)FĂŒr wen?Note
HKM Basic SpringgerteSpringgerte65 cm10–15 €Einsteiger⭐⭐⭐
Fleck SpringgerteSpringgerte65–75 cm25–40 €Training, Turnier⭐⭐⭐⭐⭐
Fleck DressurgerteDressurgerte100–110 cm30–50 €Dressur Training⭐⭐⭐⭐⭐
Kieffer DressurgerteDressurgerte100 cm35–60 €Turnier Dressur⭐⭐⭐⭐⭐
Longierpeitsche StandardLonge4–5 m20–45 €Bodenarbeit⭐⭐⭐⭐
Parelli Carrot StickTouchstick120 cm40–70 €Horsemanship⭐⭐⭐⭐
Kinder-SpringgerteSpringgerte55–60 cm8–15 €Kinder⭐⭐⭐⭐

Unser klarer Favorit: Die Fleck Springgerte ist unter deutschen Reiterinnen der absolute Klassiker. Sehr hochwertige Verarbeitung, angenehmes Gewicht, prĂ€zise SignalĂŒbertragung, lange Haltbarkeit. FĂŒr rund 30–40 Euro eine Gerte die viele Jahre zuverlĂ€ssig hĂ€lt.

Verschiedene Reitgerten und Peitschen im Vergleich
Spring-, Dressur- und Longierpeitsche – fĂŒr jeden Einsatzzweck das richtige Modell

🏇 Reitgerte auf dem Turnier: Regeln beachten

Reitgerten sind auf Turnieren unter Auflagen erlaubt. Die FN schreibt HöchstlĂ€ngen vor, die je nach Disziplin variieren. VerstĂ¶ĂŸe können zur Disqualifikation fĂŒhren – messe deine Gerte vor dem Turnier.

FN-Vorschriften (aktuelle LPO):

  • Springreiten: Gerte max. 75 cm (inkl. Schlage)
  • Dressur: Peitsche max. 120 cm (inkl. Schnur, ohne Schlage) – in manchen Klassen verboten
  • Vielseitigkeit Dressur: Wie Dressur
  • Vielseitigkeit GelĂ€nde: Gerte max. 75 cm erlaubt
  • GefĂŒhrte PrĂŒfungen: Longierpeitsche nur bei speziellen PrĂŒfungen

Auf Turnieren verboten:

  • Peitschen mit Metallspitzen oder scharfen GegenstĂ€nden
  • Gerten die nicht der vorgeschriebenen LĂ€nge entsprechen
  • ÜbermĂ€ĂŸiger Gebrauch (Richter kann Strafe verhĂ€ngen)

Wichtig: PrĂŒfe immer das aktuelle Reglement deines Verbands. Vorschriften können sich jĂ€hrlich Ă€ndern.

💰 Preisklassen und Kaufempfehlungen

Eine gute Reitgerte kostet zwischen 15 und 60 Euro – kein teures Anschaffung, aber man merkt den QualitĂ€tsunterschied. Billige Gerten brechen schnell, haben schlechte Balance und ĂŒbertragen Signale unprĂ€zise. Eine Investition von 30–50 Euro in eine Fleck, Kieffer oder HKM-Gerte lohnt sich.

Unter 15 Euro: Einfachste QualitĂ€t, oft aus China importiert. FĂŒr Einsteiger und selten genutzte Gerten okay. Brich- und Verformungsrisiko höher.

15–35 Euro: Gutes Einsteigersegment. HKM, Busse, Covalliero bieten ordentliche QualitĂ€t. FĂŒr regelmĂ€ĂŸige Reiterinnen gut geeignet.

35–60 Euro: QualitĂ€tssegment. Fleck, Kieffer, ESKADRON. Bessere Balance, langlebigere Materialien, prĂ€zisere SignalĂŒbertragung. FĂŒr aktive Reiterinnen empfohlen.

60+ Euro: Premium-Turniergeriten, Handarbeit, edles Leder. FĂŒr Profis und Turnierteilnehmerinnen der höheren Klassen.

🔧 Material und QualitĂ€tsmerkmale

Eine gute Reitgerte ist federleicht, gut ausbalanciert und ĂŒbertrĂ€gt Signale prĂ€zise. Schlechte Gerten sind zu schwer, brechen an Verbindungsstellen und haben einen unregelmĂ€ĂŸigen Schwung. Achte beim Kauf auf Gewicht, FlexibilitĂ€t und VerarbeitungsqualitĂ€t.

Stiel-Materialien:

  • Glasfaser/Karbon: Leicht, prĂ€zise Biegsamkeit, sehr langlebig. Standard fĂŒr qualitative Gerten.
  • Bambus: NatĂŒrliches Material, angenehmes Gewicht, gute SignalĂŒbertragung
  • Kunststoff (billig): Schwere, ungleichmĂ€ĂŸige Biegsamkeit, bricht schneller

Griff-Materialien:

  • Leder-Griff: Angenehm in der Hand, rutschfest, langlebig
  • Synthetik-Griff: GĂŒnstiger, leicht zu reinigen
  • Gummi-Griff: Rutschfest auch bei nassen HĂ€nden

QualitÀts-Check vor dem Kauf:

  • Gerte in die Hand nehmen: FĂŒhlt sie sich gut ausbalanciert an?
  • Leicht biegen: GleichmĂ€ĂŸige Biegsamkeit ohne harte Punkte?
  • Griff prĂŒfen: Sitzt er fest? Dreht er sich nicht?
  • Schlage/Knopf prĂŒfen: Sitzt fest, kein SchĂŒtteln?

👧 Reitgerte fĂŒr Kinder und Einsteiger

FĂŒr Kinder gibt es speziell kĂŒrzere Gerten (50–60 cm), die zur kleineren KörpergrĂ¶ĂŸe passen. Einsteiger sollten mit einer kurzen Springgerte beginnen – sie ist vielseitig und einfach zu handhaben. Lasse dir von deiner Reitlehrerin erklĂ€ren, wie die Gerte korrekt eingesetzt wird.

Kinder lernen den korrekten Gertengebrauch am besten unter Anleitung einer Reitlehrerin. Eine Gerte sollte nie ein Kind-Pferd-Spiel-Gegenstand sein. Mit der richtigen Ausbildung verstehen Kinder schnell: Die Gerte kommuniziert, sie bestraft nicht.

FĂŒr Kinder empfehlenswert: Kurze, leichte Springgerten von HKM oder Busse, oft in bunten Farben erhĂ€ltlich. Budget: 8–15 Euro ist völlig ausreichend.

🌿 Bodenarbeit und Horsemanship

FĂŒr Bodenarbeit, Freiarbeit und Horsemanship sind andere Werkzeuge sinnvoll als klassische Reitgerten. Die Longierpeitsche und der Touchstick (Carrot Stick) ermöglichen Kommunikation aus der Distanz und sind unverzichtbar fĂŒr die Ausbildung vom Boden aus.

Longierpeitsche: Das wichtigste Werkzeug beim Longieren. GesamtlĂ€nge typisch 4–5 m (Stiel 1,2–1,5 m + Schnur 2–3 m + kurze Schlage). Beim Longieren soll die Peitschenschnur am Boden schleppen oder knapp darĂŒber – nie das Pferd berĂŒhren außer zur gezielten Hilfe. Wichtig: Longieren lernt man unter Anleitung.

Touchstick/Carrot Stick: Im Naturellen Horsemanship sehr verbreitet. Kurzer, oft schwerer Stab (ca. 1,2 m) mit Strick am Ende. Ermöglicht prÀzise Körper-Signale aus sicherem Abstand. Von Parelli, Clinton Anderson und anderen Horsemen entwickelt.

Reitgerte Detail – hochwertiger Ledergriff und Verarbeitung
Guter Ledergriff: angenehm in der Hand, rutschfest und langlebig

đŸ§č Pflege und Haltbarkeit

Reitgerten sind relativ pflegeleicht – wichtig ist die regelmĂ€ĂŸige Kontrolle auf Risse oder BeschĂ€digungen und das Vermeiden von FeuchtigkeitsschĂ€den. Leder-Griffe brauchen gelegentlich etwas Lederpflege.

Pflege-Tipps:

  • Nach jeder Nutzung kurz abwischen (Schweiß und Schmutz)
  • Leder-Griffe 2x pro Monat mit Ledercreme behandeln
  • Gerade lagern – nicht gebogen oder gequetscht (verformt sich)
  • Weg von direkter Sonneneinstrahlung (UV degradiert Materialien)

Wann ersetzen?

  • Risse oder Bruchstellen im Stiel: Sofort ersetzen – kann beim Einsatz brechen und das Pferd erschrecken
  • Griff löst sich: Nachkleben oder ersetzen
  • Schlage-Knopf fehlt: Ohne Knopf kann die Gerte das Pferd verletzen

Insgesamt sind Reitgerten langlebige AlltagsgerĂ€te, wenn sie nicht mutwillig beschĂ€digt werden. Eine Fleck-Gerte hĂ€lt bei normalem Gebrauch 5–10 Jahre problemlos.

❓ HĂ€ufige Fragen zur Reitgerte

Welche Reitgerte brauche ich?
Das hĂ€ngt von deiner Disziplin ab: FĂŒr Springen brauchst du eine kurze Springgerte (ca. 65–75 cm). FĂŒr Dressur eine lĂ€ngere Dressurgerte (ca. 100–110 cm). FĂŒr Bodenarbeit eine Longierpeitsche (4–7 m GesamtlĂ€nge).
Ist eine Reitgerte TierquÀlerei?
Nein, wenn sie korrekt eingesetzt wird. Eine Reitgerte ist ein Kommunikationsmittel und dient als VerlĂ€ngerung des Schenkels. Sie verstĂ€rkt die natĂŒrliche Hilfe und wird nie als Strafe eingesetzt. FN-Vorschriften regeln den erlaubten Einsatz auf Turnieren.
Wie lang sollte eine Reitgerte sein?
Springgerte: 65–75 cm. Kurze Dressurgerte: 85–100 cm. Lange Dressurgerte: 100–120 cm. Die LĂ€nge beeinflusst wo du das Pferd berĂŒhren kannst. Im Zweifelsfall Reitlehrer fragen.
Was kostet eine gute Reitgerte?
Gute Reitgerten beginnen bei 10–15 Euro fĂŒr Einsteiger-Modelle. Qualitative Alltagsgerten von Fleck, HKM oder Kieffer kosten 20–45 Euro. Hochwertige Turniergerten bis 80 Euro.
Darf ich auf Turnieren immer eine Gerte reiten?
Gerten sind auf Turnieren erlaubt, aber mit LĂ€ngenbeschrĂ€nkungen. FN-Vorschriften: Springgerten max. 75 cm, Dressurgerten max. 120 cm (Peitschenstiel inkl.). PrĂŒfe immer das aktuelle Regelwerk.
Julia Hartmann
Julia Hartmann 🐮 Reiterin seit ĂŒber 15 Jahren, Turniererfahrung in Dressur und Springen. Auf ReitHerz teile ich ehrliches Wissen ĂŒber ReitsportausrĂŒstung – ohne Marketingfloskeln.