🐴 Pferd richtig putzen – Die komplette Anleitung (2026)
Pferd richtig putzen ist mehr als Kosmetik. Wer seinen Vierbeiner regelmäßig und systematisch pflegt, erkennt frühzeitig Verletzungen, verhindert Satteldruck und stärkt das Vertrauen zwischen Mensch und Tier. In diesem Leitfaden erkläre ich dir als Reiterin mit 15 Jahren Erfahrung genau, was du brauchst, in welcher Reihenfolge du vorgehst und welche Fehler du unbedingt vermeiden solltest.
🔧 Welche Putzausrüstung brauche ich wirklich?
Das Basis-Putzset für Einsteiger kostet zwischen 30 und 60 Euro und umfasst 6–8 Geräte. Mehr Geld bedeutet nicht automatisch bessere Pflege – entscheidend ist die Qualität der Borsten und die richtige Anwendung. Wer in hochwertigen Naturborsten (Schweinhaar, Pferdehaar) investiert, merkt den Unterschied sofort.
Hier ist, was wirklich ins Putzzeug gehört:
- Striegel (Gummi oder Plastik) – zum Lösen von Schmutz, Hautschuppen und losem Haar. Kostet 3–8 €. Niemals am Gesicht, Fesselbeinen oder Knochenpunkten verwenden.
- Kardätsche (harte Bürste) – entfernt den vom Striegel aufgelockerten Schmutz. Naturborsten sind besser als Kunstfasern. Preis: 8–25 €.
- Weiche Bürste (Dandy Brush) – für Gesicht, Beine, Stellen wo Knochen nah unter der Haut liegen. 5–15 €.
- Hufkratzer mit Bürste – unverzichtbar vor und nach jedem Reiten. 4–10 €.
- Schweif- und Mähnenkamm – breitzinkig für weniger Haarbruch. 2–8 €.
- 2 Schwämme (verschiedenfarbig) – einer für Augen/Nüstern, einer für After und Schlauch. Niemals verwechseln! 1–3 € je Stück.
- Fellglanz-Spray (optional) – für schönen Abschluss, ab 6 €.
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→ Putzsets auf Amazon ansehen*📋 Pferd richtig putzen – Die Schritt-für-Schritt-Reihenfolge
Die klassische Putzkette hat 7 Schritte und dauert 15–20 Minuten bei routinierten Reitern. Einsteiger planen 30–45 Minuten. Wichtig: Immer von vorne nach hinten, von oben nach unten arbeiten.
Schritt 1: Anbinden und beruhigen
Binde das Pferd sicher, aber nicht zu kurz. Lass es kurz ankommen. Ein aufgeregtes Pferd macht das Putzen schwieriger und gefährlicher.
Schritt 2: Striegel – Schmutz lösen
Arbeite mit dem Striegel in kreisenden Bewegungen auf Fell, Bauch, Schulter und Rücken. Drücke regelmäßig die Kardätsche auf den Striegel, um aufgelockerten Schmutz abzulösen. Gesicht, Beine und Knochenpunkte auslassen!
Schritt 3: Kardätsche – Schmutz wegbürsten
Kurze, schnelle Striche in Fellrichtung. Die Kardätsche nimmt den durch den Striegel gelösten Schmutz auf. Regelmäßig an der Wand oder am Striegelrand abklopfen. Kräftiger Druck auf Muskelpartien ist okay – Knochenpunkte sanft.
Schritt 4: Hufe auskratzen
Immer vor und nach dem Reiten! Den Hufkratzer von der Trachte (hinten) zur Zehe (vorne) führen – niemals umgekehrt, damit du den Hufstrahl nicht verletzt. Strahl, Eckstreben und Weiße Linie kontrollieren.
Schritt 5: Mähne und Schweif entwirren
Erst mit den Fingern grobe Knoten lösen, dann mit dem Kamm von unten nach oben arbeiten (Schweif), bzw. von oben nach unten (Mähne). Mähnen- und Schweifspray verhindert Haarbruch – besonders im Winter empfehlenswert.
Schritt 6: Gesicht mit weicher Bürste oder Tuch
Das Gesicht ist besonders empfindlich. Weiche Bürste oder feuchtes Tuch für Stirn, Ohren (außen), Kinn. Niemals mit harter Kardätsche oder Striegel!
Schritt 7: Augen, Nüstern, Afterbereich mit Schwamm
Mit verschiedenfarbigen Schwämmen (eine Farbe für oben, eine für unten!): Augenschleim, Nüsternrand und After-/Schlauchbereich feucht abwischen. Tägliche Kontrolle verhindert Infektionen.
📊 Bürstenvergleich – Welche Bürste für welchen Einsatz?
Die Wahl der richtigen Bürste ist entscheidend: Die falsche Bürste an der falschen Stelle kann das Pferd verletzen oder Schmerzen verursachen. Diese Tabelle (Stand März 2026) hilft dir, den Überblick zu behalten.
| Bürstentyp | Einsatzbereich | Druck | Preis ca. | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| Gummistriegel | Rumpf, Schulter, Hinterhand | Mittel–kräftig | 3–8 € | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Kardätsche (hart) | Rumpf, Hals, Hinterhand | Mittel | 8–25 € | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Weiche Bürste | Gesicht, Beine, Knochenpunkte | Sanft | 5–15 € | ⭐⭐⭐⭐⭐ |
| Wechselkardätsche | Dickfelliges Winterfell | Kräftig | 15–35 € | ⭐⭐⭐⭐ |
| Massagebürste | Entspannung, Muskellockerung | Sanft–mittel | 12–30 € | ⭐⭐⭐⭐ |
| Elektrische Bürste | Fellwechsel, viel Schmutz | Variabel | 25–80 € | ⭐⭐⭐ |
*Bewertung basiert auf Praxiserfahrung, Stand März 2026. Preise können variieren.
💇 Mähne und Schweif richtig pflegen – So vermeidest du Haarbruch
Mähne und Schweif sind empfindlich: Falsches Kämmen kann pro Session 50–200 Haare kosten. Die richtige Technik spart langfristig viel Haar und hält Schweif und Mähne voll und gesund.
Die wichtigsten Regeln:
- Immer von unten nach oben entwirren (beim Schweif). Greife zuerst die unteren 10 cm und löse Knoten, dann arbeite dich hoch. Niemals von oben nach unten durch den ganzen Schweif kämmen!
- Mähne: von oben nach unten, aber in kleinen Partien, die du vorher mit den Fingern knotenlos gemacht hast.
- Schweifspray oder Conditioner deutlich reduziert Haarbruch – besonders im Winter, wenn statische Aufladung das Problem verschlimmert.
- Nie täglich kämmen wenn nicht nötig. Schweif eher mit den Fingern lockern als ständig kämmen.
- Breitzinkiger Kamm bricht weniger Haare als engzinkige Varianten.
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Das Auskratzen der Hufe vor und nach dem Reiten ist keine Option – es ist Pflicht. Steine, harte Dreckbrocken und Heustücke im Huf können zu Lahmheit, Hufrehe-Vorstufen und Strahlfäule führen. Ein Hufkratzer kostet 4 Euro und kann deinem Pferd monatelange Schmerzen ersparen.
Die häufigsten Fehler beim Hufkratzen:
- Von vorne nach hinten kratzen – das verletzt den Hufstrahl. Immer von der Trachte (Hacke) zur Zehe (vorne) arbeiten.
- Zu wenig Druck – festgetretener Lehm im Strahl muss heraus.
- Hufstrahl nicht kontrollieren – Weichheit, Geruch (nach Fäulnis) oder schwarze Verfärbungen signalisieren Strahlfäule → Tierarzt/Hufschmied informieren.
- Huf nicht abstellen – das Pferd soll entspannt stehen. Wer sich auf den Huf stützt oder ihn zwischen den Beinen klemmt, macht es falsch.
Unser Urteil: 9/10 – Der Hufkratzer ist das wichtigste Putzgerät überhaupt.
🌤️ Putzen nach Jahreszeit – Was sich ändert
Je nach Jahreszeit verändert sich der Pflegeaufwand erheblich. Im Fellwechsel (März–Mai und Oktober–November) verdoppelt sich die Putzzeit; im Sommer ist häufiges Waschen möglich; im Winter wird oft trocken gearbeitet.
- Frühjahr (Fellwechsel): Täglich striegel – das lose Winterfell kommt massenweise. Massage-Handschuh oder Gummistriegel mit Noppen besonders effektiv. Viele Pferde genießen die intensive Massage.
- Sommer: Schwitzen nach dem Reiten? Abschwitzen mit Wasser (ab 15°C) und Schweißmesser, dann trocken reiben oder schaben. Achtung: Zugluft vermeiden!
- Herbst (Fellwechsel): Wie Frühjahr, aber das Winterfell wächst. Viele Pferde sind empfindlicher – vorsichtiger mit Druck.
- Winter: Kein Waschen (außer in beheizten Hallen). Trocken putzen, eventuell Putzzeugbox aufwärmen. Deckenpferde brauchen weniger Striegel, mehr weiche Kardätsche.
❓ Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert das Putzen eines Pferdes?
Das gründliche Putzen dauert bei Einsteigern 30–45 Minuten, bei geübten Reitern ca. 15–20 Minuten. Vor dem Reiten genügen oft 10–15 Minuten für das Wichtigste: Striegel, Kardätsche und Hufe auskratzen. Nach dem Reiten mindestens Satteldruckzone kontrollieren und Hufe auskratzen.
In welcher Reihenfolge putzt man ein Pferd richtig?
Die klassische Reihenfolge: 1. Striegel (löst Schmutz), 2. Kardätsche (entfernt Schmutz), 3. Mähne und Schweif kämmen, 4. Hufe auskratzen, 5. weiche Bürste für Gesicht und Beine, 6. Augen/Nüstern/Afterbereich mit Schwamm. Von vorne nach hinten, von oben nach unten arbeiten.
Welche Bürsten brauche ich zum Pferd putzen?
Das Basis-Set: Striegel (3–8 €), Kardätsche (8–25 €), weiche Bürste (5–15 €), Hufkratzer mit Bürste (4–10 €), Mähnen-/Schweifkamm (2–8 €), 2 verschiedenfarbige Schwämme. Gesamtkosten Einstiegsset: 30–60 €. Für Profis empfehlen sich zusätzlich Massagebürste und Schweifspray.
Wie oft muss man ein Pferd putzen?
Vor jedem Reiten sollte das Pferd mindestens kurz geputzt werden – Sattelzone, Bauchgurtbereich und Hufe. Vollständige Grooming-Sessions sind 3–5x pro Woche ideal. Boxenpferde täglich, Weidepferde etwas weniger intensiv.
Darf man ein Pferd mit Wasser waschen?
Ja, aber nur bei warmem Wetter ab ca. 15°C und mit lauwarmem Wasser. Danach unbedingt trocken reiben/schaben und Zugluft vermeiden. Im Winter lieber trocken arbeiten oder warmes Wasser nur punktuell (z.B. Satteldruckzone) einsetzen.
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✅ Fazit – So putzt du dein Pferd richtig
Pferd richtig putzen ist eine Frage der Routine und der richtigen Werkzeuge. Mit einem Basis-Putzset ab 30 € und der beschriebenen Reihenfolge (Striegel → Kardätsche → Hufe → Gesicht) bist du bestens aufgestellt. Die wichtigsten Punkte im Überblick: Immer Hufe vor und nach dem Reiten auskratzen. Gesicht niemals mit harter Kardätsche oder Striegel. Mähne und Schweif von unten nach oben entwirren. Im Fellwechsel täglich striegel. Und vor allem: Das Putzen ist keine lästige Pflicht, sondern wertvolle Zeit mit deinem Pferd – nutze sie, um die Bindung zu stärken und die Gesundheit deines Tieres zu kontrollieren.